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Sparschwein Pflege:

Wie Investoren mit Pflegeheimen Kasse machen

 

Wer Geld anlegen will, bekommt heutzutage kaum noch Zinsen. Aber eine gute Rendite kann ganz einfach gehen: durch Pflegeheime. Clevere Investoren haben Pflegebedürftigkeit als Geldanlage entdeckt. Doch kann es gut gehen, Pflegeunternehmen nicht aus einer Kultur der Nächstenliebe und der gesellschaftlichen Notwendigkeit zu betreiben, sondern allein, um möglichst viel Gewinn zu erzielen?

Zu wenig Zeit für gute Pflege

 

Liebevoll betreut von Menschen, die sich Zeit nehmen: So stellen sich viele Pflege vor. Doch die Realität, die Barbara Meiß am Beispiel ihrer demenzkranken Mutter beschreibt, ist ernüchternd: "Seit Mitte letzten Jahres hat meine Mutter zunehmend lange Fingernägel. Es wurde keine Maniküre mehr durchgeführt. Es hat keiner vom Personal auf die Körperpflege geachtet. Es roch aus dem Abfluss des Badezimmers, es wurde nicht geduscht und die Handtücher  waren kotbeschmiert."

Vier Jahre lang lebte ihre Mutter in der Seniorenresidenz Maria Hilf in Bedburg bei Köln. Zunächst schien mit dem privaten Pflegebetrieb mit kompetentem Personal, der auf Demenzkranke spezialisiert ist, alles perfekt. Doch Anfang 2017 wurde das Haus an den Betreiber Alloheim verkauft. Das ging für Barbara Meiß mit deutlichen Veränderungen einher: "Es hat sich merklich verändert nach Übernahme des neuen Trägers. Personal war plötzlich nicht mehr da, gutes Personal, was auch regelmäßig guckte. Die dementen Personen hatten nicht mehr ihre Ansprechpartner. Und seit Herbst letzten Jahres hatte man das Gefühl, das wöchentlich andere Gesichter auf den Stationen zu sehen waren." Sie verlegte ihre Mutter in ein anderes Pflegeheim.

Anfang 2018 prüfte die zuständige Behörde die Alloheim-Einrichtung und verbot monatelang, neue Patienten aufzunehmen. Alloheim erklärt, der Aufnahmestopp erfolgte nur vorübergehend und nicht wegen Pflegemängeln.

Rasantes Wachstum

Alloheim wirbt auf seiner Homepage mit Bildern voller Behaglichkeit. Vor zehn Jahren war es noch ein Mittelständischer Betrieb mit 13 Häusern. Dann begann ein rasantes Wachstum. Vor fünf Jahren war Alloheim noch nicht einmal unter den Top 10 der deutschen Heimbetreiber, bemessen an der Anzahl der Pflegeplätze. Dann übernahm Alloheim andere Firmen und lag schon ein Jahr später auf Platz sechs. Heute, im Jahr 2018, belegt der Pflegekonzern mit mehr als 160 Heimen und über 14.000 Betten den zweiten Platz.

Bei diesem Wachstum ist die Qualität auf der Strecke geblieben, meint eine ehemalige Mitarbeiterin des Bedburger Hauses, die nicht erkannt werden will: "Da wurden Stationen zusammengelegt, Mitarbeiter wurden oder haben gekündigt oder waren wegen Überlastung dauerhaft krank. Es fehlte Fachpersonal. Da wurden Menschen ohne Erfahrung als Pflegehelfer angestellt, ohne eine Spur von pflegerischer Qualifikation. Es wurden Zeitarbeiter geholt, die teilweise nur zwei Tage bleiben, ohne Zeit für Einarbeitung. Alle waren überlastet, das funktionierte einfach nicht, das konnte nicht gehen."

Gewinnobjekte von Beteiligungsgesellschaften

Ein möglicher Grund für Sparsamkeit: Der Düsseldorfer Mittelständler mit 13 Häusern wurde 2008 von 'Star Capital' gekauft, einem Londoner Finanzinvestor.

Der kaufte weitere Heime dazu, 2013 waren es schon 49. Dann wurde Alloheim an die New Yorker Beteiligungsgesellschaft Carlyle-Group verkauft – für 180 Millionen Euro.

Die Carlyle-Group, eine der größten Beteiligungsgesellschaften in den USA, ließ Alloheim auf mehr als 160 Häuser wachsen und verkaufte sie dann Ende 2017 an Nordic Capital, einen Investor von der Britischen Steueroase Jersey – für einen Preis von 1,1 Milliarden Euro.

Wenn Altenpflege als Investment zum schnellen Weiterverkauf mit möglichst hohem Gewinn herhalten muss, wundert es nicht, dass bei der Betreuung der Pflegebedürftigen Sparsamkeit angesagt war, wie uns die ehemalige Alloheim-Mitarbeiterin bestätigt: "Es wirkte so, als solle mit minimalem Aufwand das Maximale herausgeholt werden, und zwar so weit, dass die Grundversorgung der Bewohner bei weitem nicht mehr gesichert war."

Einzelfälle?

Seit das Bedburger Haus bei der Kontrolle durchfiel, scheint Alloheim um Besserung bemüht. Doch Bedburg ist kein Einzelfall. Im Oktober 2016 wird in Hilchenbach in Nordrhein-Westfalen eine Alloheim-Einrichtung wegen gravierender Mängel mit Aufnahmestopp belegt. Mitarbeiter berichten von extremen Sparmaßnahmen vom Moment der Übernahme an. Im November 2016 soll in Simmerath, ebenfalls NRW, ein Alloheim-Haus wegen Pflegemängeln geschlossen werden. Als die Bewohner und Angehörigen gegen den Zwangsumzug protestieren, verkauft Alloheim in letzter Minute die Einrichtung an einen anderen Betreiber. Auch im baden-württembergischen Ludwigsburg verkauft Alloheim eine Einrichtung, nachdem Angehörige im November 2017 von massiven Pflegemängeln berichten und die Behörden die Schließung verfügen.

Bei zwei Alloheim-Einrichtungen in Norddeutschland stellen Behörden im März 2018 ebenfalls Pflegemängel fest und verfügten einen Aufnahmestopp.

Werden die Bewohnerinnen und Bewohner dieser Heime um der Rendite willen vernachlässigt? Alloheim verwehrt sich dagegen und erklärt, dies seien alles alte Einzelfälle, von denen man nicht auf alle Heime und auf die Gegenwart schließen könne.

Sieben der zehn Marktführer sind gewinnorientiert

Alloheim ist bei weitem nicht der einzige profitorientierte Pflegekonzern. Von den zehn Marktführern in Deutschland sind sieben gewinnorientierte Konzerne. Und für die scheint Pflege sehr lukrativ zu sein: Alloheim meldet im Jahr 2016 als operativen Gewinn 8,6 Prozent vom Umsatz.

Der französische Konzern Korian, Marktführer in Deutschland, machte sogar 14,1 Prozent operativen Gewinn.

Weniger Geld für die Pflege

Von so hoher Gewinnspanne können die meisten Industriekonzerne nur träumen. Bezahlt werden die Renditen letztlich von der Pflegeversicherung und den zu Pflegenden.

Die von den Behörden veröffentlichten Pflegenoten aller deutschen Pflegeheime hat der Gesundheits-Versorgungsforscher Professor Max Geraedts von der Philipps-Universität Marburg analysiert. Er kommt zu der Feststellung, dass nicht-gewinnorientierte kirchliche oder kommunale Häuser besser werden, je teurer sie sind. Das trifft auch für gewinnorientierte private Heime zu. Diese sind aber immer eindeutig schlechter als die nicht-gewinnorientierten: "Unsere Studie zeigt, dass die privaten profitorientierten Pflegeheime im Durchschnitt zunächst mal um zehn Prozent billiger sind: Das heißt, sie bieten ihre Leistung billiger an, um das Haus voll zu kriegen. Zusätzlich müssen die profitorientierten Pflegeheime auch noch Gewinne abführen, das sind auch meist noch um die zehn Prozent, sodass diesen Pflegeheimen grundsätzlich 20 Prozent weniger Geld für die Pflege zur Verfügung steht."

Alloheim widerspricht und sagt, dass alle operativen Gewinne ins Unternehmen zurück investiert würden. Dass 20 Prozent weniger Geld für die Pflege natürlich auch weniger Qualität bedeuten, leuchtet ein. Professor Geraeths schlägt deshalb vor, dass jedes Heim veröffentlichen soll, wie viel Prozent der monatlichen Kosten wirklich in die Pflege fließen. Dass der Staat seit Jahren die Pflege zunehmend gewinnorientierten Firmen überlässt, hält Professor Geraeths für falsch: "Im Zuge der Einführung der Pflegeversicherung hat der Gesetzgeber die Eröffnung von privaten Pflegeeinrichtungen gefördert. Wir hatten zu wenig Infrastruktur und das wurde gefördert, obwohl aus internationalen Studien schon klar war, dass profitorientierte Pflegeheime im Durchschnitt schlechtere Qualität bieten als nicht profitorientierte Pflegeheime.

Noch arbeitet gut die Hälfte aller Pflegeheime nicht gewinnorientiert, kommunal oder kirchlich. Doch die Zahl der profitorientierten Pflegeheime wächst und die Pflegekonzerne werden immer größer.

Bundesgesundheitsminister Spahn will  den Pflegenotstand beenden. Sein Ministerium antwortete auf die Anfrage von "Plusminus", es sei durchaus gewollt, dass ein Geldanleger mit Pflege Gewinn machen kann, denn nur so könnten die nötigen Investitionen in Pflegeeinrichtungen finanziert werden.

Autor: Michael Houben
Bearbeitung: Friedemann Zweynert

PLUSMINUS

Keiner weiss vorab, was das Leben noch bereit hält. Ich habe den Eindruck, dass sehr viele dabei sind, den alten Menschen nicht nur ihre Würde, sondern ihnen jeden Besitz nehmen. Einfach aus dem Grunde, weil sie alt und wehrlos sind. Alleine die Tatsache, dass man mit den Menschen noch grosse Profite machen kann, werden sie dem KAPITALMARKT geopfert.
Reichen die Gelder nicht, die dafür geboten werden, verwendet man einfach weniger und unausgebildetes, billiges Personal!
Hätte ich nicht einige Jahre Erfahrungen auf dem Gebiet machen können, würde ich solche Berichte nicht unbedingt glauben.

Dass alte Menschen heute nur noch als Last angesehen werden, das ist mein Empfinden. Leider sind die Probleme tatsächlich wesentlich schlimmer. Keiner hat heute eine so hohe Rente, dass man im Alter seinen Pflegeplatz davon bezahlen kann. Aber - man sieht zu, dass man sich noch an die Kinder halten kann, die für ihre Eltern einstehen können. Und wenn der alte Mensch ein Haus hatte, dann wird das eben für die Kosten des Aufenthaltes im Pflegeheim veräussert. Von wegen vererben............!

Die Kosten für die Pflege der alten Menschen sind explodiert! Und wie kommt das? Die Räume sind die gleichen, wie eh und je, die Betten, die darin stehen, werden wieder und wieder benutzt, das Personal besteht ja vielfach aus Hilfskräften, mit einer Anlernpraxis von einigen Wochen und das Essen ist ja ebenfalls nichts gross Aufwendiges. Wie viel ausgebildetes Pflegepersonal beschäftigt werden muss, ist mir heute nicht bekannt.

Gebäude müssen geheizt und mit Strom versorgt werden. Anders in Krankenhäusern, wo ja noch viele Ärzte beschäftigt werden müssen, werden in Pflegeheimen "Hausärzte" beschäftigt, die zu den Patienten kommen. Die werden ja von den Krankenkassen extra für ihren Aufwand bezahlt.

Es ist total widersinnig, dieses Gebiet - was zur Gesundheitsfürsorge der Menschen gehört - dem Kapitalmarkt zu opfern. Kein ausländischer oder auch inländischer Investor hat ein anderes Interesse, als das einzige - SEIN KAPITAL ZU VERMEHREN. Die Menschen, die ihr Dasein dort verbringen müssen, die interessieren ja nicht. Und gross was sagen können die auch nicht mehr. - Also ideale Zustände!!

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