Veilchens Welt

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Meinungsfreiheit - nicht erwünscht?

Ja, an die Meinungsfreiheit glaubte ich. - Wie man sich doch irren kann, zeigt mein Bericht.


Es war irgendwann 1998, als mein Sohn mir das "Fliehnet" empfahl, was günstiger sei, als was ich bis dahin für meine Onlinegänge benutzte. Er zeigte mir auch ein Forum, wo ich doch auch mal meine Meinung abgeben könnte. - Oh ja, das war was für mich, ein Meinungsaustausch mit anderen Menschen.
Ich werde es nie vergessen, dass ich zu einem Thema, die Arbeitslosigkeit betreffend, ein von mir verfasstes Gedicht einstellte, was all meine Gedanken und Erlebnisse diesbezüglich beinhaltete. - Ich hatte innerhalb kürzester Zeit eine ganze Menge Kritiker da stehen, die mich in Grund und Boden stampften.
Die Reaktion war verheerend. Man schrieb mir, ich möge die Anwesenden mit meinem Mist verschonen, ich würde ja alle vertreiben! - Bums - solch eine Niederlage hätte ich ja nicht auf mein Gedicht erwartet, denn eigentlich war es mir doch ganz gut gelungen. -
Zwei Leute waren dazwischen, die mir Mut machten, weiter am Ball zu bleiben. Das machten die mit Neulingen immer so.
Ich telefonierte mit meinem Sohn, der auch mein Gedicht kannte. Eigentlich war er ein harter Kritiker meines Tuns, nicht aber in dem Fall. Er erklärte mir, was da vorginge:
Jeder User dürfte sich 5 verschiedene Nicknamen auswählen. Sind jetzt 5 "Wächter" vorhanden, dann können die praktisch 25 Antworten gleicher Meinung zaubern. Deshalb die Fülle der Kritiken. Das machten die immer, wenn sich ein Neuling einloggte, damit der gleich unsicher wird.
Ich hatte zwar keine Lust mehr, dort weiterhin zu schreiben, weil ich mich nicht so unfair behandeln lassen wollte. Da hatte ich dann persönliche Nachrichten von Usern, die mich doch baten, sie zu unterstützen. Mein Gedicht sei prima gewesen. Wir müssten nur unsere Meinung hartnäckig durchsetzen. Je mehr wir würden, umso besser!
Nur, zu der Zeit wurde die Onlinezeit noch nach Minuten abgerechnet. Allzu oft war ich dort nicht vertreten, kümmerte mich vorrangig um Gesetze, die meine Lebenssituation betrafen. Das konnte ich kopieren und offline verarbeiten.
Nachdem ich dann DSL hatte, erledigte sich mein Masshalten und ich legte mich ins Zeug. - Es ist auch nicht so, dass ich die ganze Zeit nichts mehr in dem Forum geschrieben und andere User nicht mit unterstützt hätte. - Ich wurde von Anfang an direkt umringt und verfolgt, von diesen Forenwächtern. Dazu muss ich sagen, dass es keine Dummen waren. Ihr Schreibstil war gut und meistens auch fehlerfrei. - Damit wollte ich ausdrücken, dass das keine normalen User waren, die einem dort Paroli boten. - Mit der Zeit kannte man den Schreibstil der Leute, auch wenn sie sich mit einem anderen Nicknamen einloggten.
2005 kam, wo sich alles zuspitzte, Hartz4 war eingeführt worden. Es gab dort eine Rubrik "Hartz4" - wo sich dann viele User ratsuchend meldeten, weil sie noch kein Geld hatten, wie sie sich verhalten sollten usw.
Dann kamen die Antworten: "Kein Wunder, dass Du arbeitslos bist, kannst ja noch nicht einmal fehlerfrei schreiben. - Für die Zeit, die Du hier vor dem PC hockst, hättest Du Dich schon wieder bewerben können." Eine ziemlich junge alleinstehende Mutter meinte, ihr fehle das Geld, um Nahrung zu kaufen und sie hätte schon mehrere Tage nichts mehr gegessen. - Von den Wächtern kam die Antwort:  "Dann friss doch Deine Scheisse."
Der Typ gehörte der SPD an und hatte ein Geschäft für bestimmte Motorräder. Das fand ich heraus. Ein anderer hatte eine Firma, gehörte ebenfalls der SPD an und der Moderator hatte sein Lehramtstudium beendet, aber keine Anstellung als Lehrer gefunden. Auch er gehörte der SPD an.
Doch auch die anderen Parteien mischten mit denen mit.
Mir reichte es, dass die so mit den Menschen umgingen, gab ihnen regelmässig Kontra, aber immer höflich und nett (ironisch), so dass die keinen Grund fanden, mich auszuweisen, wie sie es mit vielen, vielen Usern gemacht hatten. - Immerhin brachte ich es dort auf 850 Kommentare.
Ich schlug sie mit den eigenen Waffen, führte immer wieder Absätze der AGB`s ein und bat die Teilnehmer, doch höflich beim Thema zu bleiben und nicht stattdessen die schreibende Person anzugreifen. - Es gab viele, die mir zustimmten. Nahm das überhand, wurden die einfach gelöscht. - Bei mir trauten die sich zunächst nicht.
Einer kritisierte mich so, dass er nicht einmal eine Angriffsfläche finden würde, so hätte ich mich eingeigelt! Mit dieser überfreundlichen Methode konnten die nichts anfangen. -
Dann folgte ein Tag, da mir einer der Wächter schrieb, bezüglich eines Kinderthemas:  Ich würde doch nur aus faulem Fleisch bestehen, nicht mal ein Blinder würde mich anfassen und ein Mutterglück würde ich wohl niemals erleben können! - Keiner kannte mich, mein richtiges Alter war nicht bekannt, geschweige denn familiäre Zustände. - Er zielte direkt auf mich als Person, es ging nicht um das Thema. Nicht ein einziger dieser Wächter versuchte diesen derben Angriff abzuschwächen. Im Gegenteil, es war verheerend, was da geschrieben wurde.
Ich habe denen nur geantwortet, dass ihre Gesinnung jetzt in dem Augenblick allen bekannt wird. Da brauchte ich nichts zu erwidern!
Allerdings richtete ich eine Beschwerde mit Kopien der betreffenden Leute an Fliehnet. Und weil ich danach eine PN vom Moderator erhielt: "Wenn Du Dich noch einmal beschwerst, werde ich Dich eine Woche sperren! Alles kommt auf meinen Schreibtisch. - Positioniere Dich oder Du hast eine Kostprobe bekommen, was Dich erwartet!"
Nun, da wusste ich ja, wo ich dran war. Ich kopierte wieder, schickte meine Beschwerde aber an die Auftragsannahme und noch an eine Abteilung, die nichts mit dem Moderator zu tun hatten. - Ich erhielt auch eine Antwort von den Abteilungen. - Es tut uns leid. Solche Vorgehensweisen würden natürlich nicht gebilligt. Sie wollten alles weiterleiten. - Wer erhielt es am Schluss? - Der Moderator.
Die Folge war eine Sperrung von 2 Wochen mit einer eMail: "Ich habe es Dir doch versprochen!"
Meine Beschwerde-Briefe per Einschreiben mit allen möglichen Kopien gingen an Fliehnet. - Ich erhielt nur einmal eine eMail: "Wir haben veranlasst, Sie wieder freizuschalten. Viel Spass am Fliehnet-Forum."
Ich ahnte, was mich erwartete! - Aber das, was kam, hätte ich mir nie vorstellen können, dass es so etwas in der Öffentlichkeit gibt.
Egal, zu welchem Thema ich auch noch das Harmloseste schrieb, ich wurde in die Zange genommen. Man nahm Worte aus einem Satz und machte mich lächerlich!
Als ich einmal auf einen Link von der Monitor-Sendung verwies, was die veröffentlichten, behaupteten die, ich würde grosse Unternehmen in ein schlechtes Licht rücken, was eine strafbare Handlung sei. Ich erwiderte, dass so manch einer nicht weiss, welche strafbaren Handlungen er/sie begeht.
Schliesslich nahm einer Worte aus geschriebenen Texten heraus, stellte sie falsch zusammen, so dass sie einen rechtsextremen Inhalt ergaben!
Das war ein ganz "Netter" - nannte sich "Bruellapfel". Er muss wohl schon ein etwas älteres Semester gewesen sein. Sein Bereich war der Extremismus, scheinbar auch beruflich! - Er hatte sich meiner angenommen.
Man konnte bei Fliehnet auch ein Tagebuch fertigen, sowie auch eine Homepage. - Ich begann mit dem Tagebuch und führte meine Erlebnisse darin auf, wo ich anschliessend auch Zuschriften erhielt. - Eine davon war ein User, dessen Nickname mir jetzt nicht mehr geläufig ist. - Er schrieb mich in einer PN an, welche Probleme ich denn hätte? - Ich erwiderte ihm ganz grob von den Vorgehensweisen. - Seine Antwort war dann: "Das brauchst Du Dir nicht gefallen lassen. Auch das Internet ist kein rechtsfreier Raum." Er gab mir zur Not eine Anwaltsadresse, falls sich Probleme ergäben, war super nett und freundlich. Trotzdem wollte er immer Details wissen. Ich hatte ja nichts zu verbergen und er wollte nicht glauben, dass man Artikel von mir einfach löscht und dann noch durch die Blume öffentlich Text ablässt, was teilweise in den persönlichen Nachrichten steht. Dass man mit einer geschickten Umschreibung mein Passwort öffentlich macht!
"Doch, ganz bestimmt, so ist es!" - "Gebe mir noch einem einen genauen Text mit genauen Angaben. Ich werde mich für Dich einsetzen!" Gut - ich tat es!

Dann geschah folgendes: Man drehte den Spiess um, ich würde Leute aufstacheln und gegen den Moderator aufhetzen. - Es wurden unglaubliche Märchen über mich verkündet, konnte mich aber nicht mehr dagegen wehren, weil ich lebenslang gesperrt wurde!

Mein Sohn meinte dann irgendwann, dass ich doch wohl so wichtig nicht sein könnte, dass man mich derart behandelte. Er dachte bestimmt, dass ich was dazu gemacht hätte. Aber ich hatte mir ja Kopien gefertigt. Er kam, schaute sie sich an und loggte sich bei Fliehnet ein. - Ganz friedlich schrieb er, dass man mit seiner Mutter nicht so umgehen könnte, nur weil sie das Recht auf Meinungsfreiheit wahrnehmen wollte. Es gäbe doch wohl immer unterschiedliche Meinungen, die aber doch keinen veranlassen sollten, so zu handeln, wie man es machte. Er betonte, dass er alle Mails und auch die kopierten Kommentare gelesen hätte. Er wäre erschüttert, was bei Fliehnet geschähe!
Mein Sohn bekam noch eine PN vom Moderator; "Du bist gesperrt und schöne Grüsse an Deine Mutter."
Es war ihm natürlich total egal, weil er an sowas kein Interesse hatte, aber er sagte: "Mutter, ich hätte ja nie gedacht, dass Du für Politiker mal so wichtig werden könntest. Ich gratuliere Dir, betrachte das als Erfolg, die Bande so in Angst gebracht zu haben!"
Aber ich bekam noch die Mitteilung per eMail, dass es einen schönen Nachruf für mich im Internet gäbe. - Und diese Experte, den ich schon nannte  - Bruellapfel - der hatte ein ganzes Jahr auf einem Blog stehen, dass ich einen Versuch gemacht hätte, das Fliehnet - Forum feindlich zu übernehmen!!
Also, damit wusste ich überhaupt nichts anzufangen. Was sollte ich mit einem Fliehnet-Forum? Doch es zeigt doch, dass ich einigen Leutchen Feuer unterm Hinter gemacht habe. - Übrigens, die Leute, die nur Müll schrieben, die liess man in Ruh!
Ich bekam eMails von mehreren Sympathiesanten, die gemeinsam mit mir gekämpft hatten, ich sollte doch wenigstens da im Kommentarforum schreiben. Ich machte das einige Male. Da war ja nur Müll. - Erwähnenswert wäre noch, dass mir einer der Forenwächter schrieb, als ich mich gegen den Afghanistan-Einsatz äusserte, dass ich Schuld wäre, dass seine Verwandten im Konzentrationslager umgebracht worden seien. Er hatte sich schon öfter als ein sehr radikaler Jude geoutet, der ständig mit solchen Argumenten aufwartete, wenn einer nicht seiner Meinung war.
Um alles in der Welt, so viel Beleidigungen auf einem Haufen, ist schon unerträglich. Das tue ich mir nicht mehr an!
Ich habe dann noch einige Male bei Tagesschau.de gepostet. Höflich und sachlich! - Dann war man dran und es erschien: Sie haben diese Woche Ihr Limit erreicht oder nach der üblichen Zensur standen da überall solche Punkte, wie bei Heiligendamm = ***igendamm. - Das fällt mir gerade noch ein.
Danach habe ich mich entschlossen, selber eine Homepage einzurichten. Ich habe keine Lust mehr auf eine solche Behandlung.

Ich frage mich nur, weshalb die bei Fliehnet gross und breit auf die AGB`s hinweisen. Wenn ich mal Langeweile habe, dann schaue ich schon mal wieder da herein!
Obwohl man den damaligen Moderator abgesetzt hat, hat sich nicht gross etwas verändert. Die alten Zeckenwächter sind immer noch dort, manche sogar mit ihrem alten Nicknamen. - Das sind bestimmt so kleine Arschlöcher, die nirgendwo Anerkennung bekommen. In ihrer Position als Moderator fühlen sie sich mächtig.

 


 

 

 


 

Bittere Erfahrungen nach der Rückkehr aus dem Urlaub.

Mein Sohn flog Anfang 2002 in die USA und machte dort Urlaub. Er mietete sich einen Leihwagen und schaute sich das Land an.
Darüber wollte ich aber nicht berichten, sondern was er nach seiner Rückkehr erlebte.


Er wohnt ziemlich ländlich. Die meisten dort Wohnenden sind Bauern. - Der nächste Nachbar meines Sohnes war ein Ehepaar, mit 2 Kindern, die ein altes Haus aufkauften und dieses passend renovierten. - Anfangs wusste mein Sohn nicht, was es mit diesem Haus auf sich hatte. -

Und zwar war der Inhaber des Hauses ein Erzieher, der sich sehr schwer erziehbare Kinder und Jugendliche in Haus holte und die zu erziehen versuchte. - Einer war 13 und der andere 14 Jahre alt. Beide stammten aus Berlin. - Sie hatten schon eine stolze Verbrecher-Karriere hinter sich. Der Sohn erfuhr es von dem Erzieher, aber auch von den Burschen selber. -

Einmal, als wir, mein Mann und ich bei dem Sohn weilten, kamen die Burschen auch zu uns, unterhielten sich mit uns und machten eigentlich einen recht sympatischen Eindruck. - Sie berichteten, dass sie keine Lust hätten, zur Schule zu gehen. Seit einigen Tagen brächte sie der Erzieher mit dem Auto in die Schule. Sobald der weg wäre, verliessen sie auch das Schulgelände. - Sie beklagten sich darüber, dass sie reiten dürften, aber nur, wenn sie auch den Pferdestall ausmisteten. Dafür bekämen sie auch noch extra 50 Euro im Monat. - Aber sie wollten das Geld nicht, der Typ sollte mal seine Pferdeboxen selber reinigen. - Natürlich erfuhren wir noch viel mehr von den Burschen, aber das wollte ich nur am Rande behandeln.


Man hatte die Erziehung Schwererziehbarer privatisiert!!! Das erfuhr ich allerdings erst später.
Also, mein Sohn kam aus den USA zurück und entdeckte einen Zettel am Briefkasten. "Kripo - bitte umgehend anrufen. Es geht um Ihre Fahrzeuge!" -

Da bemerkte der Sohn erst, dass die Autos ja nicht mehr da waren. - Es handelte sich um einen grossen Bulli und einen Passat-Kombi. Beide Fahrzeuge brauchte er für seinen Beruf. - Er ging ins Haus und entdeckte auch dort Spuren von Besuchern, die durchs Dachfenster ins Haus eingedrungen waren.
Nun rief er aber zuerst die Kripo an, die Nummer, die ihm angegeben wurde. - Dort erfuhr mein Sohn, dass beide Autos von der Kripo abgeschleppt und gereinigt wurden, weil sie voll mit Schlamm waren. - Um die auszulösen, müsste er allerdings so in etwa 400 Euro mitbringen. Die genaue Summe weiss ich nicht mehr. Ich habe damals jedenfalls nur geschluckt, über die Summen, die mein Sohn an Schaden erlitten hatte.


Nachbarn hatten bei strömendem Regen gesehen und gehört, dass Autos ziemlich hochtourig liefen. Sie wussten, dass der Sohn überhaupt nicht anwesend war und riefen die Polizei. Bis die kamen, hatten sie den Bulli beim Rückwärtsfahren in einen tiefen Graben gefahren. Mit dem PKW kamen sie ein kleines Stückchen weiter, landeten aber auch irgendwo hinein, wo sie nicht mehr heraus kamen. - Die Burschen gingen danach seelenruhig in das Haus ihres Erziehers und suchten ihre Zimmer auf! -

Die Polizei beendete dann die Idylle. Doch die beiden Burschen waren ja schon Profis. Es liess sie wohl ziemlich kalt. Das berichtete der Erzieher dann meinem Sohn. - Die Schäden an beiden Autos beliefen sich auf ca. 2.500 Euro, lt. Gutachten eines Sachverständigen, wofür mein Sohn auch noch 500 Euro zahlen musste.

Der Erzieher sprach dann davon, dass er dagegen versichert wäre und meinem Sohn die Schäden ersetzt würden. - Nach zwei Wochen erwiderte die Versicherung, dass sie nichts zahlten, weil der Erzieher angegeben hätte, die Aufsichtspflicht der 13 und 14-jährigen Jungen nicht verletzt zu haben. - Er hatte jeden Abend um 23 Uhr seinen letzten Kontrollgang gemacht. Da sassen die Jungen noch vor dem Fernseher!! -

Ausserdem hätten die Burschen jeder einen Haustürschlüssel, wodurch sie sich frei bewegen konnten! - Mein Sohn nahm sich einen Anwalt, der ihm leider nicht viel Hoffnungen machen konnte. Eine Gerichtsverhandlung mit allem Drum und Dran könnte ihn weitere 5.000 Euro kosten und hätten die Eltern kein Geld, ging er trotz positivem Gerichtsurteil leer aus. -

Der Erzieher sei nicht dafür verantwortlich, weil er die Bengels nicht rund um die Uhr beaufsichtigen könnte. Somit brauchte auch die Versicherung nicht zahlen. - Mein Sohn teilte mir das alles mit. -


Ich setzte am nächsten Tag mein Telefon in Gang, wollte das zuständige Jugendamt erst einmal erreichen. Oh, mein Gott, wo waren die denn alle geblieben? Es gab doch sonst überall solche Stellen. - Das war einmal!! Ich fragte mich so dadurch, von einer Behörde zur nächsten. Was ich nicht ahnte, war, dass es für die Schwererziehbaren eine gesonderte Stelle gab. -

Wie immer - wenn man wirklich einmal eine Stelle ausfindig gemacht hatte, war der betreffende Mensch nicht da. - Ich verlangte eine Vertretung. Die Person war natürlich überfordert, konnte mir überhaupt nicht weiterhelfen. In ein bis eineinhalb Wochen sollte ich noch einmal anrufen, was ich auch tat. -

Derweil hatte ich mich schon mit anderen Jugendämtern in Verbindung gesetzt, um generell etwas darüber zu erfahren. - Überall versicherte man mir, dass es ihnen leid täte, aber mein Sohn vermutlich leer ausgehen würde. - Ich wollte und konnte das nicht glauben. -

Dann kam der Tag, an dem ich den Sozialarbeiter des zuständigen Jugendamtes erreichte. - Er war schon darüber informiert worden. Beide Jungen kamen aus sehr schlimmen Millieus. Die Mütter waren Nutten und ein Vater war Zuhälter, der andere unbekannt. - Der Anwalt meines Sohnes sagte, dass wir herauskriegen müssten, was die Burschen vorab schon alles angerichtet hätten. Dann gäbe es eine Chance, dass die Versicherung zahlen müsste. Dann hätten sie eine bessere Aufsichtspflicht haben müssen. So reichte es aus, 3 x täglich nach ihnen zu sehen! -
Also, mir und meinem Mann, sowie meinem Sohn hatten die Burschen ja von ihren Autoknackereien berichtet. - Ich versuchte, den Sozialarbeiter auszuhorchen. Der berief sich auf seine "Schweigepflicht".
Ich verlangte die Telefonnummer der zuständigen Jugendamtbehörde in Berlin, die ja irgendwie mit diesem Erzieher in Verbindung getreten sein müssen. Man gab mir keine Auskunft. - Ich rief bei der Schule an, zu der die beiden Jungen gehen sollten. Die äusserten sich nur, dass sie froh wären, die Bengels los zu sein. Sie wussten auch nur, dass sie allerhand zuvor angestellt hatten. - Keiner gab etwas preis. Die Lehrer hätten es noch getan, aber sie wussten keine Einzelheiten. Ich sollte es doch mal beim Gericht erfragen, denn sie hätten auch dort schon vor Gericht gestanden. - Auch diese Versuche führten ins Leere. Nirgendwo erhielt ich eine Auskunft.


Nun blieben mir nur noch die Jugendämter in Berlin übrig und es gab davon so einige. Obwohl ich die Namen der Burschen komplett hatte, kriegte ich nichts heraus. Keiner gab mir eine Auskunft, obwohl ich allen darlegte, um was es ging! - Warum werden solch kriminelle Typen derart geschont, wodurch mein Sohn diese derben finanziellen Einbussen erlitt?? - Das war doch wohl nicht einzusehen.
Mein Sohn wandte sich noch einmal appellierend an den Erzieher, der allerdings jetzt abblockte. Sehr komisch!
- Auf einmal wurde bekannt, dass der Erzieher wohl verheiratet war, die Frau aber mit ihren Kindern verschwand und der Typ stockschwul war!! Er war die Heirat nur eingegangen, damit er sich selbständig machen konnte. - Als Schwuler wäre ihm das wohl nicht möglich gewesen, kriminelle Jungen zu erziehen, möchte ich meinen.
Und das Ende der Geschichte hat es auch noch insich. - Der Erzieher hängte sich auf!!

Was ist das für eine grausame Welt geworden?  - Da zieht eine Familie in die Nachbarschaft und nichtsahnend servieren die dem Sohn einen solchen Schaden. Natürlich haben die auch seine Handys, die im Hause lagen, benutzt und damit ordentlich telefoniert. - Ausser erheblicher Verluste kam nichts dabei herum. - Mir sagte zuvor ein Sozialarbeiter, dass solche Schwererziehbaren früher immer eine Extraaufsicht erhalten hätten, die auch nachts beaufsichtigt wurden, damit die nicht abhauten. Gerade solche Burschen, denen ohnehin alles egal wäre, könnten nicht mit einer normalen Aufsicht bedacht werden, so dass 3 x täglich ausreichte. - Es hatte sich alles geändert! - Man kann auch noch weiter spekulieren. - Warum haute die Frau mit ihren Kindern ab und warum hängte sich der Erzieher auf??

 

 


 

Wie man unverschuldet in gefährliche Situationen geraten kann

Eine Zeit meines Lebens, die mit Angst gefüllt wurde. Nie zuvor hatte ich so etwas mal erlebt. - Aber mal der Reihe nach:

Ich arbeitete in einem schönen Tanzlokal mit Livemusik, in einem Kurort, als Geschäftsführerin. - Die Tätigkeit machte mir auch grosse Freude, zumal die Atmosphäre auch noch sehr angenehm war. Die Gäste waren überwiegend zur Kur in unserer Stadt und zeigten sich von ihrer besten Seite.
Über die Einnahmen und Ausgaben führte ich ein Buch und das Geld brachte ich täglich zur Bank! Hier sollten auch die Lieferantenrechnungen abgebucht werden. So war es abgemacht! - Es waren schöne, aber anstrengende 3 Jahre, die ich dort beschäftigt war. Ich wusste ja nicht, dass der Chef das Geld immer für andere Zwecke abholte und verbrauchte, so dass es irgendwann Probleme mit den Lieferanten gab, die nur noch gegen Barzahlung liefern wollten!

Also zahlte ich das Geld nicht mehr bei der Bank ein und zahlte die Lieferungen in bar!
Dann muss wohl die Bank rebellisch geworden sein, weil kein Geld mehr eingezahlt wurde und ich bekam mein Gehalt nicht mehr überwiesen. Ich rief meinen Chef an, der mich vertröstete. Es sei zu einem Versehen gekommen. Aber das dauerte an ............., dieses Versehen!

Schliesslich nannte er mich eine andere Bank, die die Zahlung vorgenommen hätte. Es traf jedoch nichts ein, so dass ich mich bei der Bank erkundigte. - Dort erfuhr ich, dass mein Chef dort überhaupt kein Konto besässe!


Ich schrieb ihm einen Brief und setzte ihm eine Frist bis zur Zahlung meines Gehaltes. Hätte ich das Geld nicht bis dahin, würde ich eine fristlose Kündigung durchsetzen und nicht mehr zu meiner Arbeitsstelle erscheinen. -
Inzwischen war schon ein Rückstand von zwei Monatsgehältern! - Alles erledigte sich von alleine, weil der Vermieter ein neues Schloss in die Tür gesetzt hatte und keiner mehr herein kam!! Ich sprach auch noch mit dem Vermieter. Natürlich war auch keine Pacht mehr gezahlt worden!


Das ging natürlich bei uns im Ort wie ein Lauffeuer herum! - Ich hatte keine Arbeit mehr, ging zum Arbeitsgericht, um meine Forderungen durchzusetzen. Mein Chef erschien nicht vor Gericht und es wurde ein Versäumnisurteil gefällt, zu meinen Gunsten!
Es nützte mir aber alles nichts, weil ich die Mitteilung bekam, dass mein ehemaliger Arbeitgeber für das gesamte Jahr weder meine Krankenkasse, keine Arbeitslosenversicherung und keine Steuern abgeführt hatte, was er mir allerdings zuvor abgezogen hatte. Ich erhielt das Geld in bar, komischerweise oft in drei Monatsraten.
Das wollte ich aber jetzt nicht weiter ausführen, sondern von der gefährlichen Situation sprechen, in die ich geriet!


Wenige Tage nach dem Bekanntwerden meiner Arbeitslosigkeit und der verschlossenen Tür des Lokals, kam ein Türke zu mir, der ein Lokal in der Fussgängerzone besass. Ich kannte ihn ganz gut. Er war, glaube ich, schon hier geboren. Sein Vater war Oberarzt in einer Klinik. - Er bat mich, doch sein Lokal vorerst bis zu seinem Vertragsende zu übernehmen. Er könnte das nicht mehr, hätte auch keine Lust, immerzu zu arbeiten. - Er wollte auch keinen Gewinn davon abbekommen. Hauptsache, ich öffnete das Lokal, weil seine Kreditgeber - Automatenaufsteller und Brauerei  - schon rebellisch würden, weil seine Türe immer geschlossen und keine Umsätze vorhanden seien! -
Nun, generell hatte ich schon Lust dazu, weil ich das Lokal kannte. Die Lage war in der Fussgängerzone, in der Nähe von mehreren Kliniken, nahe dem Kurpark! Ich bestand nur auf einen Vertrag zwischen uns. - Wir verabredeten einen Tag des erneuten Treffens und er kam mit seinem Vater zu mir. - Ich hatte den Vertrag schon vorgefertigt, mit allem, was er mir angeboten hatte. Es waren noch etliche Fässer Bier im Keller und sehr viele Flaschen mit Spirituosen. Alles, was ich verkaufte, konnte ich behalten. - Einnahmen aus den Automaten sollten auch mir gehören!
Da wäre ich dumm gewesen, wenn ich das nicht gemacht hätte. Es war auch nur noch für 4 Monate, bis der Vertrag auslief. - Man stellte mir in Aussicht, anschliessend das Lokal übernehmen zu können. - Dann müsste ich mich mit dem Vermieter und der Brauerei in Verbindung setzen.
Also, der Vertrag wurde unterschrieben, so, wie ich es formuliert hatte. - Ich nahm an, dass die Lieferanten ihm Druck gemacht hatten. - Die Schlüssel wurden mir übergeben und ich rief eine Bekannte an, die mit mir zu dem Lokal gehen sollte. Wir wollten mal gucken, wie es dort aussah!

Wir liessen die Türe geöffnet, damit die Räume ordentlich gelüftet wurden. Ach je, ratzfatz kamen Bekannte herein, die sich anboten, mitzuhelfen, damit wir das Lokal bald offiziell öffnen könnten.
Ich ging mit einer Frau in die Küche, zum Aufräumen, einige reinigten den Bierkeller, schlossen ein neues Bierfass an, was sie dann anschliessend auch "probieren" durften. Alle Helfer durften sich mal bedienen! -

In einem Aufbewahrungsgefäss für Brot fanden wir verschimmeltes Zeug und so allerhand Mist, der nicht dahin gehörte. Alles kam in die Mülltonne, die ja am nächsten Tag geleert wurde. - Wir schafften richtig Ordnung und reinigten alles! Bis zum Abend hatten wir tatsächlich alles geschafft. - Wir setzten uns noch gemütlich beisammen, waren mit 8 Leuten und am nächsten Morgen konnte es losgehen!
Es war so, als wäre das Lokal nie geschlossen gewesen. Einheimische und Kurgäste kamen, ein richtig nettes Publikum.

Zwei Tage später kam mittags der Türke, der mir das Lokal übergeben hatte, total überhastet angerauscht und fragte mich, ob er mal in die Küche gehen dürfte.

"Na klar", meinte ich, "was suchst Du denn? Wir haben nämlich ziemlich viel weggeworfen." - Der hatte einen puteroten Kopf, war sichtlich schwer nervös und fragte, wo wir den Inhalt aus dem Brotaufbewahrungsgefäss hingetan hätten. - Ich sagte, dass das verschimmelte Brot und allerlei Tüten mit undefinierbarem Inhalt in der Mülltonne gelandet ist. Er wollte nachsehen gehen. "Die Mülltonnen sind Montag schon geleert worden", sagte ich. - Er rauschte schnellen Schrittes davon, ohne sich zu verabschieden! -

Komisch, dachte ich so bei mir. Hinterher erzählte ich das der Bekannten, die mir mitgeholfen hatte, beim Reinigen der Küche. - Sie sagte noch, dass das so weisses Pulver gewesen sei. "Sah aus wie Puderzucker." - Wir lachten noch darüber, weil die Vermutung von Heroin oder sonst was aufkam! Allerdings war da noch mehr drin, was wir aber ohne Kommentar einfach in die Mülltonne warfen.
In den nächsten Tagen kamen schon mal Leute, die mich fragten, ob ich was da hätte? - Ich habe gesagt, dass das eine Kneipe sei und was man dort bekommt, sollte doch bekannt sein. Man kann es auch in der Karte sehen. - Nun, ich erfuhr, dass mein Vorgänger immer was Spezielles zur Verfügung hatte.
Du liebe Zeit, ich war damals so naiv, dass mir noch nichts schwante. Ich lachte nur: "Hast Du vor dem Eingang ein Schild von einer Apotheke gesehen oder was steht da?"

Angst hatte ich keine, zumal ich wusste, dass ich sehr viele gute Bekannte hatte, die zu mir standen. - Es gab einen weiteren Raum des Lokales, wo Billiard gespielt wurde und weitere Geräte drin standen. Da hielten sich meist tagsüber ziemlich junge Leute auf, die ihre Cola tranken und sich beim Spiel amüsierten. Ihre Eltern wussten auch, dass sie bei mir weilten. Sie vergewisserten sich auch in einem Telefonat, ob alles in Ordnung sei.


Der Laden war Tag für Tag gerammelt voll. Leider erhielt ich Publikum, dass mir überhaupt nicht genehm war. Nur mir war bekannt, dass ich sie nicht so ohne Weiteres hinausbefördern konnte, ohne dass ein Rattenschwanz hinterher kommen konnte! -

Es handelte sich um richtig harte Rocker. Jeder Radfahrer wurde in der Fussgängerzone angehalten und musste eine Strafe löhnen. Die Rocker fuhren jedoch mit ihren Motorrädern provozierend auf und ab und keiner machte was. Allerdings machten einige Wirte schon unangenehme Erfahrungen mit ihnen. Das war auch bei uns im Ort bekannt.


Die kamen, provozierten mich ................., während ich alles ins Lächerliche zog, bot ihnen keine Angriffsfläche. Einer goss mir einen Weinbrand ins Gesicht, weil er "stank". Ich blieb noch ruhig, obwohl ich richtige Angst hatte. - Dann gingen die Typen nach nebenan und schmissen die ganzen Jugendlichen raus, die wiederum Angst hatten.
Ratzfatz war das Lokal leer. Und dann kams: "Wo hast Du das Zeug versteckt?"
- Ich verstellte mich total naiv, wirkte wohl überzeugend und sagte aus, dass ich den Schlüssel zu dem Lokal erhalten hätte und nur etwa 4 Monate hier wäre, bis zum Vertragsende. - Sie fragten nach dem Türken. - Ich antwortete, dass der in der Türkei heiraten wollte. -

Die unangenehmen Besucher entfernten sich recht bald, natürlich ohne zu zahlen. - Doch sie kamen immer wieder und leerten das Lokal immer auf die gleiche Weise. - Inzwischen war auch das Telefon abgestellt. Ich rief von daheim bei der Telekom an und fragte, was mit dem Anschluss los sei.

"Wenn Sie den Rückstand bezahlen, stellen wir das Telefon wieder frei!" Das war eine irre Summe, vermutlich viele Türkeitelefonate! Das wollte ich nicht bezahlen, war auch nicht abgemacht. Musste halt ohne gehen. Ein paar Meter weiter waren auch zwei Telefonzellen.


Und jetzt komme ich zu einem fürchterlichen Abend, wo ich wirklich mächtig Angst bekam. Das Lokal war richtig voll und die Rocker kamen herein. Sie stänkerten und wollten von allen möglichen Leuten ein Getränk spendiert bekommen. Zwei Spanier sassen bei mir an der Theke, die ich beide als angenehme Leute seit Jahren kannte.


Einer der Rocker nahm ein Bierglas, zerschlug es und schnitt einem Spanier den Hals damit auf. - Ich sah nur noch, wie er nach draussen rannte, die Rocker hinterher und der andere Spanier wollte von mir ein Messer, was ich ihm aber nicht gab. Er nahm sich einen Billiardstock und rannte auch nach draussen. - Ich konnte ja keine Polizei anrufen, machte das Küchenfenster auf und liess die Gäste da hinaus und forderte sie auf, die Polizei von der Telefonzelle aus zu rufen.
Nachdem die meisten Leute draussen waren, schloss ich die Fenster und ein Bekannter verschloss die Eingangstür des Lokales. - Was sich da draussen in der Zwischenzeit abgespielt hatte, wusste ich nicht. Es war abends, etwa 23 Uhr und dunkel. Kurz darauf wollten die Rocker wieder ins Lokal kommen, als mein Bekannter ihnen sagte, dass sie abhauen sollten. Die Polizei käme jeden Augenblick. Dieses sagte er aber absichtlich, damit die abhauten. Die hätten uns auch noch rangenommen. -

Ein Krankenwagen kam inzwischen, den die Burschen wohl gerufen hatten, denn es gab einen Schwerverletzten, den Spanier, der zu Beginn mit den Glasscherben bedroht wurde. Draussen hat man ihn allerdings noch mit einem Schlagring bearbeitet, aber wie. - Es gab keine Stelle, die nicht gebrochen war, vor allen Dingen im Gesicht.


Die Polizei musste allerdings aus der nächsten Kreisstadt kommen, da man bei uns im Ort die Wache geschlossen hatte. Folgedessen dauerte es recht lange, bis die erschienen.
Was dann folgte, war ein Witz. Mir drohte man, weil ich nicht geholfen hätte. - "Wer war das denn?", fragte einer der Polizisten, der aus unserem Ort stammte. Ich sagte: "Die Rocker!" - "Wer soll das denn sein? Namen??" Ich geriet aus der Fassung. Da liefen die Täter die Fussgängerzone herunter und man beschäftigte sich mit mir! Die haben aber was von mir zu hören bekommen.
Der Rest des Abends war gelaufen! - Ich ging heim.
Am nächsten Morgen klingelte mein Telefon. Die Kripo war dran. Ich wurde freundlich gefragt, ob ich denn mal vorbeikommen könnte.

Am nächsten Morgen wollte ich kommen, musste  mir ja erst eine Aushilfe besorgen, die mich vertrat. - Am gleichen Tag kamen noch Gäste, die mir Botschaften überbrachten:
Einmal hatten diese Rocker einen anderen Wirt in der Fussgängerzone zusammengeschlagen, der auf der Intensivstation lag, weil er ihnen kein Bier mehr geben wollte. -
Andere kamen, die meldeten, wenn ich etwas aussagen würde, dann ging es mir wie dem anderen Wirt. - Die Rocker hatte man übrigens noch nachts gepackt, nachdem sie einen Mannschaftswagen angefordert hatten und waren im Knast. Der Rest der Truppe, es waren viele, kamen immer mit den Drohungen!

Ich fuhr am nächsten Morgen zur Kripo. Kaum war ich im Gebäude drin, da grüssten mich junge Leute und sprachen mich mit Namen an. Erst war ich überrascht. Ich hatte noch nie mir dem Verein zu tun. Dann fiel mir ein, dass sie schon einige Male als Gäste in dem Lokal waren! - Nun ja, ich ging in das Zimmer, wohin ich bestellt war. - Und dann kams:  Ich sollte gestehen, dass ich mit Drogen gehandelt und welche Beziehung ich zu dem Türken gehabt hätte, bzw. wo der jetzt wäre. - Ich verwies auf den Vater des Türken, der da und dort Oberarzt sei. -
Na ja, es war ein Versuch gewesen, mich unter Druck zu setzen. Inzwischen kamen wieder 2 junge Männer in das Zimmer, die mich wohl kannten. Sie hatte keine Uniform an. Auch sie waren meine Gäste gewesen. -


Dann ist der Türke praktisch abgehauen, hat mir die Schlüssel übergeben, weil man das Lokal vermutlich schon observierte und ich Trottel lief in diese Falle.
Später erfuhr ich, dass es dort wirklich Drogen zu kaufen gab .................... und meine Bekannte und ich schmeissen auch noch den Stoff weg, von dem wir glaubten, dass es ein komischer Puderzucker sei und noch was! Wir kannten davon nichts!
Jedenfalls sagte ich das bei der Polizei auch aus. Ich sprach auch von den Drohungen, die man mir sandte. Nun sollte ich noch die Namen aller Gäste angeben, die sich im Lokal aufhielten. Sie sollten wegen fehlender Hilfeleistung angeklagt werden. Ich kannte sie natürlich nicht, nur zwei oder drei mit ihren Vornamen, erklärte ich.

Man drohte mir mit Beugehaft und auch mit einer Klage wegen unterlassener Hilfeleistung. Mir wurden Bilder des Verletzten vorgelegt, der sich auf der Intensivstation befand. - Meine Güte, wie sah der aus! Furchtbar! Das hätte jeder andere von uns auch gewesen sein können. Der Spanier wollte denen nur kein Bier ausgeben. Das war der Grund, ihn so zusammen zu schlagen. -

Ich habe erklärt, dass ich kein Held wäre und stünde in der Öffentlichkeit. Da müssten sie mir schon Sicherheiten bieten. Sie verwiesen auf die Polizei, worauf ich entsprechende Antworten gab. -

Im Falle eines Falles liessen die Rocker mich einen Gast beauftragen, der zur Telefonzelle läuft und von dort die Polizei anruft, während die Polizei dann eine halbe Stunde brauchte, bis sie bei mir wären, wenn überhaupt! - Eine feine Sicherheit!
Dann gab man mir die Zusage, dass ich vor Gericht nicht aussagen brauchte. Es gäbe da ein Gesetz, was man in Anspruch nehmen könnte. -
Nun gut, ich wollte ja, dass diese Verbrecher bestraft würden und sagte aus, aber ohne die Namen der Gäste zu nennen.
Eines Tages erhielt ich dann eine Ladung zum Gericht. Ich rief bei der Kripo an und fragte nach unserer Vereinbarung. Da hiess es, dass der Staatsanwalt meine Anwesenheit vor Gericht forderte, genau wie alle Gäste, die anwesend waren. - Da staunte ich aber, dass das bekannt war.


Ein dummer Zufall. - Einer der jungen Gäste, der in dem Lokal weilte, hatte seine Mopedteile wohl verkauft und sein Moped als gestohlen gemeldet, was nicht stimmte. Er musste zur Polizei. Dort fragte er nach, was denn aus den Rockern geworden sei und er berichtete, dass er an dem Tag alles mitbekommen hätte. Er verriet auch alle Namen der Gäste, die ihm bekannt waren.  Auf diese Weise wollte er bei der Polizei bestimmt Schönwetter machen. -

So kam es, dass wir mit 12 Leuten geladen wurden! Um 9 Uhr waren wir vorgeladen und um 12 Uhr kam der erste Zeuge dran. Eine Stunde wurden alleine die bisherigen Straftaten vorgelesen! - Die Verbrecher wurden zu langen Haftstrafen verurteilt.
Meine Aufgabe in dem Lokal hatte sich auch inzwischen erledigt. Der Vermieter hatte viel Geld dafür bekommen, dass er einer Eisdiele den Zuschlag gibt, die die Räumlichkeiten auch noch auf eigene Kosten vorschriftsmässig umbauten. Das war ihnen die Lage des Gebäudes wohl wert.

Ich habe einen wichtigen Teil überhaupt noch nicht erwähnt. Das Lokal sollte von einem anderen Trupp beschützt werden. Das wurde mir angeboten. Die kamen auch immer als Gäste. Ich traute dem Frieden nicht. Wie gut, dass ich das nicht geschehen liess, denn so menschenfreundlich waren die auch nicht! - Hinterher erfuhr ich von einem Bekannten, dass auch die mit Rauschgift handelten. - Ob die das wohl riechen?? Und bei mir verkehrten viele junge Leute!!

Meine Güte, was war ich froh, dem ganzen Zirkus entronnen zu sein! - Zuguterletzt stellte der Vater des Türken auch noch Forderungen gegen mich. Er wollte die Einnahmen der Spielautomaten haben. Es ging vor Gericht und ich gewann die Verhandlung. - Ende gut - alles gut! So etwas kann man erleben, obwohl man der harmloseste Mensch der Welt ist. Oder gerade deshalb?? Was war ich hinterher froh, dem ganzen Dreck entronnen zu sein. Ich hatte nur ganz gut verdient in der Zeit und brauchte nicht einmal eine Einkommenssteuererklärung abgeben. War ja nicht mein Lokal. Den Türken habe ich nicht mehr wieder gesehen. Ich frage einen anderen Türken aus unserem Ort, von dem ich wusste, dass die sich kannten. Er sagte mir nur, dass der in der Türkei lebt und dort geheiratet hatte.

 


 

 

Eine Heldin begegnete mir in meinem Alltag!

Es dreht sich um eine ungewöhnliche Frau, die ich kennenlernen konnte, von der ich berichten möchte.

Ich befand mich zu Rehamassnahmen in einer Klinik. Bei mir am Tisch sass eine nette, freundliche, ältere Frau, mit der ich mal ins Gespräch kam. - Man redet ja unbekannterweise Weise erst mal über die Dinge, die wir allgemein teilten. Es ging um die Anwendungen, um das Essen, das wir erhielten, um die vielen Termine, die wir wahrzunehmen hatten und wer am Wochenende zu Besuch kommen würde.


Die Frau, um die es hier geht, hatte eine neue Hüfte bekommen und stammte aus dem Raum Münster. Sie war Jahrgang 1928. Das erzählte sie mir später, als wir uns mal irgendwo trafen. - Ich meinte, dann hätte sie ja die ganzen schlimmen Zeiten, die Weltwirtschaftskrise und den 2. Weltkrieg bewusst miterlebt. - Sie bestätigte das!
Die Frau, ich weiss nicht mal mehr ihren Namen, hatte ein gepflegtes Äusseres, aber ein ganz bescheidenes Auftreten. Irgendwann erzählte sie mir ihren Werdegang. -

Sie arbeitete schon als Kind auf dem Bauernhof ihrer Eltern, wurde an alle Arbeiten herangezogen. Als sie 8 Jahre alt war, starb ihre Mutter an einer bösen Erkrankung. Sie und ihr Bruder mussten die Lücke übernehmen. Der Vater verlangte das. - Das war 1936!  -

Als sie 11 Jahre alt war, brach der Krieg aus. Ihr Vater wurde als Soldat eingezogen, obwohl die Leute in der Landwirtschaft eigentlich zurückgestellt wurden. Es gab ja noch ihren Bruder, der 16 Jahre alt war, der seinen Vater als Arbeitskraft ersetzen sollte. - Später bekam sie Fremdarbeiter zugewiesen, sie, die selber noch ein halbes Kind war. Dennoch musste sie so früh so erwachsen sein!

Zwischendurch kamen aber immer Leute aus der Partei, um die ganzen Abläufe auf dem Hof zu kontrollieren, so erzählte sie mir. Einer davon sei ein Kumpel ihres Vaters gewesen, der ein scharfer SS-Mann war.


Eines Tages kamen abends spät ein Mann und eine Frau, die an die Scheibe klopften. Es war recht ungewöhnlich, da sie auf einem Dorf wohnten und in der Dunkelheit sich normalerweise keiner dorthin verirrte. - Das muss 1941 gewesen sein, weil sie mir sagte, dass sie die Juden vier Jahre lang versteckt hatte. - Also, ich habe das vorweg genommen, dass diese Personen zwei fremde Juden waren, die sich dort verstecken wollten. Sie erzählten dem Mädchen unter Tränen, dass man sie umbringen wollte. -
Vermutlich kannte sie nicht die Gefahr, in der sie schwebte, als sie ihre Zusage gab. Auf dem Hof gab es einen zugestellten Raum, den sie öffneten, der ohne Fenster war, den sie reinigten und als Behelfsquartier benutzbar machten. - Es durfte nur keiner bemerken - auch ihr Bruder nicht! - Kein einziger durfte davon erfahren. Und sie mussten dauernd auf der Hut sein, weil dieser SS-Heini auch öfter seine Aufwartung dort auf dem Hof machte. Er kontrollierte auch die Fremdarbeiter! Ausserdem kamen ihre Verwandten auch dann und wann, um mal nach dem Rechten zu sehen!


Ihren Bruder zog man eines Tages auch noch ein, damit er Soldat werden konnte. Sie hatte ja die Fremdarbeiter! -

Ich fragte sie zwischendurch, ob sie denn keine Angst gehabt hätte? - Sie verneinte das! - Das kann ja nur an ihrer Naivität gelegen haben, dass sie so furchtlos blieb. Sie brachte den Leuten das Essen. Es fiel ja auch nicht auf, weil die Fremdarbeiter ja auch noch versorgt werden mussten. Alles wurde aufgeteilt. Sie kochte immer Mengen! - Aber stellt Euch nur vor, dass sich zwei Erwachsene unter diesen Umständen vier Jahre lang verstecken mussten, in diesem kleinen Behelfsquartier, ohne ein Fenster. - Mich hat das alles schon beeindruckt.
Ihren Vater sah sie nie mehr wieder. Er starb irgendwo in Russland. Ihr Bruder kam eines Tages als Wrack zurück, der mit dem Leben nicht mehr richtig zurecht kam. - Sie war nach Kriegsende 17 Jahre alt und musste alles mit sich selber abmachen. -

Die Fremdarbeiter gingen auch in ihre Heimat zurück. Sie nahm dafür einige Kriegsheimkehrer auf, die keine Angehörigen mehr hatten, denen sie anfangs zu essen gab, gegen deren Arbeitskraft.


Nun stellt Euch vor und das ging vier Jahre lang gut. - Nach Kriegsende verliessen die beiden Juden den Hof, heimlich, still und leise, ohne dass damals einer davon mitkriegte, dass sie Juden versteckt hatte.


Ihre Verwandten besorgten ihr eines Tages einen Mann, den sie zu heiraten hatte. Durch eine Kriegsverletzung war er stark behindert und sie musste diesen Mann später bis an sein Lebensende pflegen, zusätzlich zu den Arbeiten mit dem Hof! - Was der hatte, weiss ich auch nicht mehr. Jedenfalls war er lange Jahre bettlägerig, bis er starb. Es muss eine böse Kriegsverletzung gewesen sein. Sie bekam allerdings noch zwei Kinder von diesem Mann, eine Tochter und einen Sohn.
Die Tochter hatte sich früh von der Landwirtschaft verabschiedet und war früh von daheim ausgezogen. - Der Sohn wurde schwerer Alkoholiker. Er kam seine Mutter in der Reha zweimal besuchen, mit seiner Ehefrau, nachdem er eine Entziehungskur gemacht hatte. Die Leute wirkten und sprachen sehr ordentlich.

"Haben sich denn die beiden jüdischen Personen später noch einmal bei Ihnen gemeldet und sich bedankt?", fragte ich die Frau. - Nein, meinte sie, das sollte auch später keiner wissen. - Sie schämte sich doch tatsächlich noch für ihr Handeln, weil sie etwas Verbotenes getan hatte. - Man hätte ihr noch vorgeworfen, dass sie den Hof aufs Spiel gesetzt hätte, wenn das herausgekommen wäre! -

Was habe ich diese Frau für ihren erlesenen Charakter bewundert! - Hättet Ihr sie gehört - alles an ihr war ehrlich. Ich konnte nicht ein einziges Wort von dem anzweifeln, was sie auf meine Fragen antwortete. - Sie war eine aussergewöhnlich starke Frau, die vermutlich nie mal an sich gedacht hatte. - Die Landwirtschaft hatten sie bis auf einen kleinen Teil aufgegeben. Dafür hatte ihr Sohn als Alkoholiker schon gesorgt. Aber er hatte auch keine Lust an dem Beruf. Ich weiss nur, dass er erfolgreich selbständig war! -

Ich hatte mir einmal Notizen über dieses Thema angelegt und fand die vorgestern wieder. Es ist doch wohl die Sache wert, über solche heimlichen Heldinnen mal zu berichten, wovon es damals sehr viele gab. Es ist nicht so, dass alle jüdische Personen beherbergt hatten. Alle, die in der Zeit lebten, mussten ein Heldendasein verrichten, damit die Familie überleben konnte. - Das sollte man sich auch einmal vor Augen führen!

 

 



 

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